Adrian Ott, EFORT
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"Dank an Wien"

Mit rund 8.000 Teilnehmern und 40.0000 Nächtigungen gehört der Kongress der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT) zu den größeren Events im medizinischen Bereich. Nach 2017 hätte die Veranstaltung heuer erneut in Wien stattfinden sollen – eine Stadt, mit der die Zusammenarbeit vorbildlich klappe, wie EFORT-Geschäftsführer Adrian Ott sagt. Coronabedingt musste der Kongress um ein Jahr verschoben werden. Bei der Suche nach Lösungen sei man "vorbildlich unterstützt" worden, sagt der Chef der in Genf ansässigen Organisation im Interview.

Wie geht EFORT mit der Corona-Krise um?

Adrian Ott: Anfang März waren die Vorstandsmitglieder von EFORT noch optimistisch, den 21. EFORT-Jahreskongress wie geplant im Juni in Wien abhalten zu können. Am 6. April hat uns dann die globale Covid-19-Pandemie zu der schwierigen Entscheidung gezwungen, die Veranstaltung auf 2021 zu verschieben und im Herbst stattdessen ein neues Bildungsformat anzubieten. Sicherheit und Gesundheit aller Teilnehmer, Sponsoren, Dienstleister und Mitarbeiter hatten und haben bei uns stets absolute Priorität.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen?

Neben logistischen Aspekten infolge der Absage bzw. Verschiebung des Kongresses gibt es nun eine Debatte, wie Gesundheitsorganisationen angesichts veränderter Verhältnisse künftig agieren können und agieren sollen. Sind derzeit stark genutzte Kommunikationsmittel wie z. B. Zoom nur Brückenlösungen, bevor wir uns wieder Face to Face begegnen können, oder müssen wir im Gegenteil verschiedenste Interaktionsformate ausbalancieren und definitiv in die Gleichung mit einbeziehen?

Inwieweit ist das Geschäftsmodell von Kongressveranstaltern wie EFORT durch Corona gefährdet?

Man kann das Glas halb leer oder halb voll sehen. Ich neige zu der zweiten Sichtweise. Zwar denke ich, dass das Volumen in den nächsten Jahren schrumpfen wird, denke aber nicht, dass Kongresse als Plattform der Wissensvermittlung und persönlichen Vernetzung verschwinden und durch ausschließlich virtuelle Lösungen ersetzt werden. Klar ist, dass die "neue Normalität" andere, innovative Formen der Wissensvermittlung beschleunigt. Vom 28. bis 30. Oktober 2020 richten wir erstmals einen virtuellen EFORT-Kongress (VEC) aus.

Mit welchen Inhalten?

Lernen, Netzwerk, Wissenschaft sind die drei Säulen des Programms, das Hauptthema "Harmonisierung und Vielfalt". Wir arbeiten an interaktiven Sitzungen und auch an einer virtuellen Ausstellung, in der Unternehmen mehrere Möglichkeiten haben werden, direkt mit dem Publikum zu interagieren und ihre neuesten Lösungen zu präsentieren. Wir haben eine renommierte medizinische Fakultät als Partner gewonnen und sind stolz, einige unserer Highlights wie die Ehrenvorlesungen auch virtuell gewährleisten zu können.

Können virtuelle Konferenzen ein Ersatz für Face-to-Face-Veranstaltungen sein?

Die Zauberformel ist wahrscheinlich hybrid - sowohl als auch. Mit diesem Zugang kann das Bildungsangebot einer Organisation optimal abgerundet werden.

Sind große Kongresse in der bisher gewohnten Form ein Auslaufmodell?

Das werden sie sein, wenn wir sie einfach fortschreiben und nichts ändern. Ich möchte aber glauben, dass die "Face-to-Face"-Komponente immer Vorrang vor virtuellen Lösungen haben wird, so effizient diese auch sein mögen. EFORT hat eine Kongress-Innovationsgruppe gegründet. Diese hat bereits mehrere Workshops organisiert, in denen die Ansichten der Industrie, der Chirurgen und der Auszubildenden diskutiert werden, wie wir gemeinsam neue Bildungsmöglichkeiten nutzen und so zusätzlichen Mehrwert schaffen könnten. Vielleicht wird am Anfang eine Bedarfsanalyse stehen, die zu einem besseren Verständnis der aktuellen Lücken und Herausforderungen für europäische Orthopädie- und Traumatologie-Fachkräfte führen kann. Das Ziel sollte darin bestehen, Belege für die Entwicklung bedarfsorientierter Bildungs- und Weiterbildungsaktivitäten zu liefern. In der Regel sollten diese Erkenntnisse dann in einem Kongressprogramm angewandt und reflektiert werden.

Wie können Partner wie das Vienna Convention Bureau EFORT in Zukunft noch besser unterstützen?

Zunächst ist Dank an Wien und all die Partner angesagt, mit denen wir zusammenarbeiten: Sie haben EFORT bei der Suche nach Lösungen und neuen Möglichkeiten vorbildlich unterstützt. Wenn man es schaffen würde, die Mehrzahl der Anbieter auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, wäre das eine große Leistung. Möglicherweise hat das Vienna Convention Bureau als Plattformorganisation ja die Fähigkeit, sich für Einheit und Harmonisierung einzusetzen, wenn es darum geht, außergewöhnlichen Situationen zu begegnen und Kundenbeziehungen zu managen.

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