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Wien, Stadt der internationalen Organisationen

Die Zahlen sprechen für sich: Wien ist die Heimat von mehr als 40 zwischenstaatlichen Organisationen. Vor allem als Standort einer von vier Amtssitzen der UNO ist Wien in aller Welt bekannt. Zudem haben sich hier rund 130 bilaterale, aber auch zahlreiche multilaterale diplomatische Vertretungen angesiedelt. In Summe bedeutet das 3.800 DiplomatInnen und über 6.000 internationale BeamtInnen, die in Wien leben. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat einer sehr langen Historie. Alena Sirka-Bred, Leiterin der Gruppe Europa und Internationales der Stadt Wien: "Wien war als Hauptstadt des multiethnischen Habsburgerreiches immer schon eine internationale Stadt. Auch hat Wien als Treffpunkt für Regenten und Diplomaten schon seit langem Tradition, man denke an den Wiener Kongress 1814/1815 oder später an das legendäre Kennedy-Chruschtschow Gipfeltreffen 1961, aber auch an das Atomabkommen mit dem Iran 2015 und 2021." Doch nicht nur Wiens Historie trägt dazu bei. Es gibt viele Gründe, warum Wien heute eine solche Ausnahmestellung genießt.

UNO-City

Neutral und gut gelegen

Auch die geografische Lage im Zentrum Europas war und ist ein entscheidender Faktor für die herausragende Rolle Wiens auf dem internationalen diplomatischen Parkett: "Gerade zu Zeiten des Kalten Krieges wurde aufgrund der geopolitischen Lage und des neutralen Status Österreichs die Weiterentwicklung Wiens als Plattform für internationalen Dialog weiter begünstigt", erklärt Sirka-Bred. Die Liste der Institutionen, die sich in dieser Zeit in Wien ansiedelten, ist ebenso lang wie beeindruckend: Seit 1957 befindet sich die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien. 1965 übersiedelte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) von Genf nach Wien. Kurz darauf, 1967, folgte die Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (UNIDO). Und 1976 wurde der OFID (Fonds für internationale Entwicklung der OPEC) ins Leben gerufen. Ein absoluter Höhepunkt folgte Ende der 1970er. Sirka-Bred: "Der entscheidende Schritt für den heutigen Status Wiens als Drehscheibe der internationalen Diplomatie war aber sicher die Errichtung der UNO-City, des Vienna International Centers, und deren Übergabe an die Vereinten Nationen (VN) im Jahr 1979." Dadurch entwickelte sich eine gewisse Eigendynamik, die durch den EU-Beitritt Österreichs 1995 nochmals gesteigert wurde.

Dynamik und Innovation

Sirka-Bred: "Je mehr internationale Organisationen sich in Wien ansiedelten, desto mehr stieg auch der Bekanntheitsgrad und die Internationalität Wiens, was wiederum eine Steigerung des Ansehens der Stadt bewirkte. Abgesehen von der historischen Entwicklung, kann Wien außerdem heute mit viel Dynamik und Innovation aufwarten. Denn der gute Ruf Wiens in der Welt fußt nicht nur auf der Vergangenheit." Daher ist die Ansiedlung internationaler Organisationen ungebrochen. Seit 1995 hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) den Hauptsitz in Wien. Die Ansiedlung der Weltbankgruppe folgte 2004. Auch in den 2010ern war das Interesse an Wien ungebrochen: Die IOM (Internationale Organisation für Migration) hat seit 2011 ein Regionalbüro in Wien. Im selben Jahr folgte die Internationale Anti-Korruptionsakademie (IACA). Die Organisation Sustainable Energy for All (SE4All) befindet sich seit 2013 in Wien. Aber auch das Ban Ki-moon Zentrum und das regionale Vertretungsbüro für den Westbalkan des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind in den vergangenen Jahren dazugekommen.

Der besondere Geist von Wien

Aufgrund dieser langen und kontinuierlichen Historie eilt der Stadt hinsichtlich ihrer Qualitäten als Ort der Diplomatie ein Ruf voraus. DiplomatInnen in aller Welt sprechen vom "Geist von Wien". Botschafter Helmut Tichy, Leiter der Sektion I (Völkerrechtsbüro und Amtssitz) im Bundesministerium für internationale und europäische Angelegenheiten über den besonderen diplomatischen Spirit in Wien: "Versierte internationale VerhandlerInnen spielen mit dem 'Geist von Wien' gern auf die Tradition einer besonderen Bereitschaft an, auch bei schwierigen Fragen gemeinsam Lösungen zu suchen und dafür auch Kompromisse einzugehen. Österreich ist bekannt als Ort des Dialogs und geschätzt als Brückenbauer und guter Gastgeber." Das war bereits zur Zeit des Wiener Kongresses so und spiegelt sich auch in aktuellen geopolitischen Fragen wider. Tichy: "So standen wir auch unter schwierigen aktuellen Pandemie-Bedingungen sofort als Austragungsort für die Gespräche zur Wiederbelebung des Wiener Atomabkommens mit dem Iran bereit. Österreich unternimmt viel, damit sich internationale VerhandlerInnen hier wohl fühlen." Das gilt auch hinsichtlich der Ansiedlung der Organisationen. Denn nicht nur die Eigendynamik hat Wien zu einem Hot Spot der Diplomatie gemacht: "Österreichische Regierungen und die Stadt Wien haben seit Jahrzehnten viel unternommen, um internationale Organisationen anzusiedeln und die Abhaltung internationaler Konferenzen in Wien zu fördern."

Lebensqualität, Sicherheit und sehr viel Kultur

Doch was schätzen die internationalen Organisationen an Wien? Tichy: "Wien verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur und sehr gute internationale Verkehrsverbindungen. Wichtig ist den internationalen Organisationen aber auch das hohe Maß an Sicherheit, das Wien bietet." Geschätzt wird auch, dass sich in Wien eine Reihe internationaler Organisationen mit Zukunftsfragen im Zusammenhang mit Sicherheit und Nachhaltigkeit beschäftigt. "Hier ist in Wien eine Art Schwerpunktstandort im Entstehen, der oft eine ergänzende und sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen ergibt", so Tichy. Die guten Rahmenbedingungen wissen auch die MitarbeiterInnen der Organisationen sehr zu schätzen: "Wien bietet ihnen sehr hohe Lebensqualität. Sie legen Wert auf fremdsprachige Schulen für ihre Kinder und auf ein fremdsprachiges Kulturangebot. In beiden Bereichen hat sich die Stadt prächtig entwickelt. Für sie hat Wien 'die richtige Größe' – es ist eine überschaubare Millionenstadt und gleichzeitig Kulturmetropole. Es gibt in Wien keine stundenlangen Verkehrsstaus wie in anderen Großstädten, aber niemand muss sich wegen fehlender Angebote langweilen. Zudem sind die Natur und Orte für Freizeitaktivitäten leicht zu erreichen."