Karlskirche
© WienTourismus/Christian Stemper

Was Wien zur Smart City macht

Städte wachsen weltweit, 2050 werden zwei von drei Menschen in Städten leben. Städte sind zudem für drei Viertel des gesamten Energieverbrauchs und für 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – und haben daher eine besondere Verantwortung für die Zukunft. Wien arbeitet bereits seit langem an seiner nachhaltigen urbanen Entwicklung, und das mit großem Erfolg. Das zeigen unter anderem Top-Platzierungen in entsprechenden internationalen Rankings. Wien wurde 2019 bereits zum zehnten Mal in Folge vom internationalen Beratungsunternehmen Mercer als lebenswerteste Stadt der Welt gereiht, rangiert im "Global Liveability Index" der "Economist Intelligence Unit" 2018 und 2019 an erster Stelle und belegt auch im Smart City Strategy Index der Unternehmensberatung Roland Berger den ersten Platz. Und im Juni 2020 wurde Wien vom Reise-Portal "European Best Destinations" unter den 20 sichersten Reisezielen Europas geführt – vor allem auch in Hinblick auf den Umgang der Stadt mit der Covid-19-Krise.

Smart City Strategie Wiens

Aber was zeichnet eigentlich eine smarte Stadt aus? Wien beantwortet diese Frage so: hohe Lebensqualität für alle Bewohner bei größtmöglicher Ressourcenschonung durch soziale und technische Innovationen. Bei diesen Aufgaben kann Wien auf eine ausgezeichnete Ausgangsposition aufbauen, etwa auf die Wasserversorgung mit Hochquellwasser seit 1873 oder die Gemeindebauten des "Roten Wien" seit den 1920er-Jahren.

Um zukunftsfähige Antworten auf die großen globalen Herausforderungen zu finden, wurde 2014 eine langfristige Smart City Wien Rahmenstrategie mit zeitlich gestaffelten und konkreten Zielen im Gemeinderat beschlossen, die 2019 aktualisiert wurde und bis 2050 umgesetzt wird. Bemerkenswert ist, dass Wien nicht nur Umweltziele definiert, sondern sämtliche Lebenswelten der Stadtbewohner miteinbezieht. So gibt es etwa das Ziel, die erneuerbare Energieerzeugung im Stadtgebiet von 2005 bis 2030 zu verdoppeln, aber auch das Ziel, alle Bevölkerungsgruppen vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Oder das Ziel, die CO2-Emissionen des Verkehrssektors pro Kopf um 50 Prozent bis 2030 und um 100 Prozent bis 2050 zu senken, aber auch den Grünraumanteil von mehr als 50 Prozent im Stadtgebiet bis 2050 zu halten.

Die Smart City Wien Rahmenstrategie 2019-2050 wird von zahlreichen weiteren Konzepten und Strategien der Stadt begleitet, etwa dem Stadtentwicklungsplan, einem eigenen Energieeffizienz-Programm oder der "Digitalen Agenda", die an Wien als Digitialisierungshauptstadt arbeitet. Die Themen "Smarte Lösungen für den städtischen Lebensraum des 21. Jahrhunderts" sowie "Smarte Produktion in der Großstadt" sind auch essentieller Bestandteil der Stadt-Strategie "Wien 2030 – Wirtschaft & Innovation".

Das jüngste, gerade fertiggestellte Smart-City-Projekt ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Klimamusterstadt. Wiens Hauptkläranlage (ebswien) wurde zu einem Öko-Kraftwerk umgewandelt, das durch den Einsatz von modernen Technologien mehr Energie produziert als es tatsächlich verbraucht. Dank einer neuen Schlammbehandlungsanlage werden die urbanen Abwässer nun energieautark gereinigt, der CO2-Ausstoß um 40.000 Tonnen jährlich reduziert und zudem sauberer Strom und saubere Wärme erzeugt.

Nachhaltige Kühlung

Apropos Wärme: Wien betreibt eines der größten Fernwärmenetze Europas. Mehr als 400.000 Wohnungen – rund ein Drittel aller Wiener Haushalte – und mehr als 6.800 Großkunden werden vom Unternehmen Wien Energie mit umweltfreundlicher Wärme beliefert. Der Clou daran: Dieselben Energiequellen (vor allem Abwärme aus Industrie, Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen oder Abfallverbrennung), die das ganze Jahr über Wärme und Warmwasser für die Stadt liefern, können auch Fernkälte erzeugen. Gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen benötigt zentrale Kälteerzeugung vier- bis zehnmal weniger Primärenergie, ist platzsparend, leise und optisch unauffällig: Das macht sie zu einer smarten Kühllösung. Besonders groß ist die Nachfrage nach Fernkälte in der Wiener Innenstadt. Entlang der Ringstraße entsteht ein Fernkältenetz, das Großabnehmer wie Krankenhäuser, öffentliche Gebäude oder Hotels versorgt. In naher Zukunft soll Fernkälte auch für private Haushalte zur Verfügung stehen.

https://smartcity.wien.gv.at

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