Mag. Alexandra Kaszay
© Hofburg Vienna, Foto Mag. Jana Madzigon

"Der Kongress ist nicht tot"

Die Corona-Pandemie zwingt die Kongresswirtschaft zu einem radikalen Umdenken. Die Branche wurde wie kaum eine zweite vom unsichtbaren Virus schachmatt gesetzt. Der Blick bleibt dennoch nach vorn gerichtet. Schon werden Ideen gewälzt, wie Kongresse unter veränderten Bedingungen künftig funktionieren können. Eines ist beispielsweise den Betreibern der Hofburg Vienna klar: Kongresse in der Dimension und dem Ablauf, wie wir sie vor Corona kannten, wird es nicht mehr geben.

Vieles ist derzeit in Schwebe, selbst an einem so historischen Ort wie der Wiener Hofburg. Die nobelste Veranstaltungslocation der Stadt sieht sich wie die Mitbewerber mit einer Vielzahl an Auflagen und ständig wechselnden Vorgaben konfrontiert. Dass der Kongress dennoch wieder tanzen wird, und zwar im wörtlichen wie übertragenen Sinn, davon ist Geschäftsführerin Alexandra Kaszay überzeugt: "Einander treffen, face to face kommunizieren, das kommt wieder. Die Sehnsucht danach ist groß, das hören wir aus vielen Gesprächen heraus." Veranstaltungen mit weniger Gästen vor Ort, dafür mit mehr extern Zugeschalteten, darauf werde man sich einstellen müssen. Auch werde es eine Bereinigung geben. Aber tot, das sei der Kongress definitiv nicht.

Fortschritte im Umgang mit der Krise

Auch gebe es Fortschritte im Umgang mit der Krise. "Waren vor drei, vier Monaten noch so gut wie keine Schnelltests zu haben, kann man inzwischen innerhalb einer Stunde herausfinden, ob Ansteckungsgefahr besteht oder nicht. Das ist ein großer Hoffnungsschimmer für die gesamte Branche", sagt Kaszay. Sie leitet seit Dezember 2013 erfolgreich das Kongresszentrum.

Dass Veranstaltungen auch unter Corona-Bedingungen zur vollsten Zufriedenheit abgehalten werden können, habe man erst vor kurzem gezeigt. Zwar hätten sich Hoffnungen zerschlagen, einige im Frühjahr unter dem Eindruck von Covid-19 abgesagte Veranstaltungen im Sommer nachholen zu können; Reisebeschränkungen und limitierte Teilnehmerzahlen hätten dies verhindert. Andererseits habe man viel Lob für die Durchführung einer Konferenz zu Migrationsfragen bekommen, zu der sich in der zweiten Julihälfte Innenminister aus 18 europäischen Ländern an zwei Tagen in der Hofburg Vienna eingefunden haben. Vertreter Bulgariens und Rumäniens waren aufgrund von Reisebeschränkungen per Video-Stream zugeschaltet.

Mehr Gewicht auf Technik

"Die ganze Branche redet jetzt von Hybrid- oder virtuellen Meetings. Das gab es bei uns immer schon im Angebot. Nur war es bisher nie so essenziell wie jetzt", sagt Kaszay. Darauf könne man aufbauen. Der Digitalisierungsschub, den Corona bewirkt habe, sei enorm und langanhaltend. Schon zeichne sich ab, dass der Anteil und die Bedeutung der Technik im Kongressgeschäft weiter steigen wird. Die veränderte Raumsituation führe zu einer Schmälerung der Umsätze, die durch die Vermietung von Räumlichkeiten erzielt werden können. Die neuen Abstandsvorschriften bringen mit sich, dass deutlich weniger Teilnehmer Einlass in die Kongressräumlichkeiten finden. Vor Corona bot das Kongresszentrum Hofburg in den diversen Sälen Platz für insgesamt 3.600 Personen. Nicht enthalten sind in dieser Rechnung die Redoutensäle, in denen nochmals 1.300 Personen Platz finden, die zur Zeit aber vom Parlament als Ausweichquartier genutzt werden. Unter den Corona-bedingten Ein-Meter-Abstandsregeln haben nunmehr beispielsweise im Festsaal 609 Personen Platz, gegenüber 1.218 Personen vor Covid-19.

Die Kosten verteilen sich somit auf weniger Köpfe. "Das ist in der Branche ein Riesenthema, dies wird die Locations, aber auch die Veranstalter treffen", sagt Kaszay: "Technik ist mit Kosten verbunden. Nicht alles, was online ist, kann unentgeltlich konsumiert werden."

Wien-Feeling auch virtuell erlebbar

Keine Sorgen macht sich die Hofburg-Managerin, was die Vermittlung des speziellen Wien-Feelings an jene Gäste betrifft, die virtuell und nicht persönlich an einer Veranstaltung teilnehmen. "Unser Haus ist mit seinen historisch-imperialen Räumlichkeiten geradezu prädestiniert, diese Wien-Schwingungen zu transportieren. Damit kann man auch Personen, die von irgendwo auf der Welt per Videostream am Kongress teilnehmen, gut abholen. Wir müssen keine Anleihe an einem der Sissi-Filme nehmen, bei uns ist alles echt", sagt Kaszay. Wer auf der Homepage des Kongresszentrums landet, kann virtuelle Touren durch die Prunkräume der Hofburg Vienna machen oder die Sehenswürdigkeiten der Stadt aus der Vogelperspektive bewundern.

Selbst für Ballveranstaltungen, von denen traditionell sehr viele in der Hofburg stattfinden, sieht Kaszay einen Hoffnungsschimmer. Sollte es bis zu Beginn der Ballsaison entsprechend gute Tests geben, sei einiges vorstellbar. So gesehen seien die Salzburger Festspiele "ein positiver Rettungsanker", so Kaszay: "Auch da hat man Mittel und Wege gefunden. Es gibt die Festspiele, zwar in reduzierter Form, aber es gibt sie."

Näheres zur HOFBURG Vienna: www.hofburg.com

Mehr Informationen zur Planung einer Veranstaltung in der Hofburg Vienna finden Sie im Venue Finder des Vienna Convention Bureaus.

Teilen, bewerten und Feedback